Wenn man über sich nachdenkt, ganz besonders über die vielfach diskutierte Frage des freien Willens, dann stellt man sich schnell die Frage nach dem Ich. Man kommt relativ rasch in ein Durcheinander und die Wissenschaft beantwortet die Frage nicht wirklich befriedigend. Wenn man darüber nachdenkt. Das Wörtchen "man" ist ja sehr allgemein, eigentlich müsste man ja sagen "Ich". Dieser Satz ist paradox, weil "Ich" ja eigentlich die Frage ist und zugleich wird wieder "man" verwendet. Verwirrend. Ich möchte an dieser Stelle so nebenbei erwähnen, dass die "neuen" Diskussionen über den freien Willen, ausgelöst durch sogenannte Erkenntnisse aus der Gehirnforschung, so neu nun auch wieder nicht sind. Im Gegenteil, diese "Aha" Erkenntnisse hat etwa Schopenhauer vor gut 200 Jahren schon analysiert, beinahe ganz ohne in das Gehirn von außen reinzuschauen. Wenn ich nun darüber nachdenke ob ich mich für "A" oder "B" entscheide, so hat das laut neurologischen Erkenntnissen mein limbisches System bereits für mich gemacht. Als ob mein limbisches System also nicht Ich wäre. Wenn Ich mit meinem limbischen System entscheide, und dieses wiederum durch Gene und Erfahrungen konfiguriert ist, dann ist es ja doch irgendwie Ich. Ich bin ja letztendlich der den meine Gene generiert haben plus meinen gemachten Erfahrungen, dem was ich gelernt habe. Oder wäre freier Wille nun dass ich beschließen könnte andere Gene zu wollen, z.B. anstatt eines Menschen ein Hase zu sein. (weil jetzt gerade Ostern war). Meine Gene legen mich also bis zu einem gewissen Grad fest. Und dann zusätzlich all die gemachten Erlebnisse und Erfahrungen die mich konditionieren. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird mir das bewusst. Jetzt beginnt der eigentliche (bewusste) Mensch. Der kann wenn er will die Erfahrungen machen die er sich aussucht. (Wenn er das Glück hatte in einen Gesellschaft geboren zu sein wo das prinzipiell möglich ist). Es heißt nun, dieser Willensakt, sich auszusuchen welche Erfahrungen man nun bewusst machen wolle, sei nicht möglich, das "Wollen" ja schon vorkonditioniert, die Entscheidung schon gefallen bevor man sie bewusst trifft. Wollen kann man nicht lernen, im Klartext. Stimmt das aber auch? Oder sagt man (schon wieder "man") das nur nach, wiederholt es weil es viele gescheite Leute schon so gesagt haben. Und was hat das mit dem Ich zu tun. Postulieren wir jetzt einmal ich könnte mich soweit steuern dass es mir möglich ist meine (was immer das jetzt genau ist "meine") Gefühle, Emotionen und damit auch Reaktionen zu kontrollieren. Ihnen nicht unmittelbar folgen, sondern je nach "Wunsch" einstellen. Zugegeben, einfach ist das nicht, die geforderte Disziplin ist fast "unmenschlich". Aber nehmen wir das mal an. Meine Entscheidungsgrundlage für einen x-beliebigen Willensakt wäre dann "nur" noch von meiner Vergangenheit abhängig, also meinen Erlebnissen und damit gemachten Erfahrungen. Um hier also auch frei zu sein müsste man diese Konditionierung löschen, dann wäre ich also quasi frei in meiner Entscheidung. Was wäre "ich" dann aber, auf Grund welcher Grundlage sollte ich jetzt "A" oder "B" wählen. Was ist eine "freie" Wahl dann? Würfeln?. Wenn ich auf Grund meiner Gene und meiner Konditionierungen entscheide dann bezeichnet man das als unfrei, kausal eben schon vorbestimmt. Wenn "ich" nur der bin, der sich beobachtet, dann bin es aber nicht ich. Weil er für mich entscheidet. Der im limbischen System sozusagen, mein unbewusster Begleiter. Wer ist also ich? Ich bin es doch wird man zu sich jetzt sagen. Ich jedenfalls schon, zu mir. Zu wem sonst?
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